MSC Poesia kommt im Juli und August noch mehrmals nach Warnem├╝nde. Foto: susa

Mit MSC Poesia auf Ostsee-Tour

Vom 25. Mai bis 5. Juni 2022 unterwegs

25. Mai: Vor mehr als zwei Jahren haben wir die Reise gebucht. Zwei Sommer lang bekamen wir Absagen. Corona lässt grüßen. Nun soll es heute, am 25. Mai 2022,  in Warnemünde an Bord von MSC Poesia gehen. Unsere nette Nachbarin Conni bringt uns zum Terminal. Noch bevor wir unsere Koffer abgeben, wird nach unserem aktuellen Corona-Test gefragt. Den haben wir am Nachmittag zuvor im Testcontainer am Kirchenplatz in Warnemünde machen lassen. Beim Einchecken müssen wir den Test nochmals zeigen, auch unseren Impfstatus nach- und den ausgefüllten, aktuellen Gesundheitsfragebogen vorweisen. Gegen 12 Uhr dürfen wir an Bord. Die Kabine wird noch geputzt. Derweil inspizieren wir das Schiff, nehmen bei strahlendem Sonnenschein am Pooldeck einen Drink. Dann die obligatorische Seenotretttungsübung. Die Vorfreude ist groß, auch wenn St. Petersburg gestrichen ist. Gegen 17 Uhr heißt es Leinen los!  Wir nehmen Kurs auf Gdynia/ Polen. Um 17.30 Uhr gehen wir zum Abendessen. Alles nett eingedeckt, sehr freundliches Personal. Unsere Menü-Karte ist in deutsch. Schnell stellen wir fest: Das Getränkepaket lohnt, ein Bierchen sollte uns sonst sechs Euro kosten. Nach dem Essen erkunden wir zahlreiche Bars, wo Live-Musik zu hören ist. Und wir gehen ins Theater. Hier ist der Mundschutz Pflicht. Ansonsten ist er empfohlen, aber kein Muss. 

26. Mai: Am späten Vormittag sind wir in Gdansk. Mit einem von MSC organisierten Bustransfer für 8,99 Euro pro Person hin und zurück sind wir in zehn Minuten im Zentrum. Wir schauen uns Schiffe und Boote an, viel Kunstwerke. Und bekommen das Angebot eines Taxi-Fahrers zu spät, für 20 Euro pro Person nach Danzig zu fahren. Angesichts der teuren Landausflüge fast ein Schnäppchen. Aber es ist schon Nachmittag ... Zurück an Bord laden wir Geld auf unser Bordkonto. Und wir erfahren: Was wir nicht verbrauchen, kommt nicht automatisch aufs Konto zurück, wir müssen es mit unserer Abschlussrechnung in bar an der Rezeption abholen. 

27. Mai: Gegen 8 Uhr (eine Stunde voraus gestellt) sind wir in Klaipeda. Wir gehen zum Taxistand und fragen, ob jemand deutsch spricht. Tatsächlich finden wir einen Littauer, der uns bestens versteht. Lkw-Fahrer sei er und oft in Deutschland unterwegs. Eine Stunde lang will er uns alles zeigen und erklären. 40 Euro möchte er dafür. Die Rundfahrt ist toll, wir erfahren viel Interessantes über Land und Leute, auch über die Angst vor einem Krieg. Wir  begegnen dem Ännchen von Tharau und all den Kunsthandwerkern und Künstlern auf dem Theaterplatz, fahren vorbei am deutschen Soldatenfriedhof, erfahren Wissenswertes aus der Geschichte. Und landen schließlich in einer urigen Gaststätte unweit vom Liegeplatz der Poesia, wo wir ein in Klaipeda gebrautes Bier probieren und für lecker befinden. Gegen 15 Uhr legt das Schiff ab. Auf Wiedersehen, Klaipeda.

28. Mai: Riga erwartet uns. Der Liegeplatz befindet sich sehr zentrumsnah. Wir haben einen Ausflug gebucht. Wollen Jurmala kennen lernen, ein einst mondäner, auch heute reizvoller Badeort, etwa 15 Kilometer entfernt westlich von Riga. Hier direkt am feinsandigen Ostseestrand hatten einst die Wohlhabenden ihre Häuser und Sommerdomizile. Sie alle wurden von den Russen entgeignet. Mit dem Fall des eisernen Vorhangs ab 1991 haben viele Menschen ihr Eigentum zurückbekommen. Schöne, alte, oft ínzwischen marode Holzhäuser und Jugendstilvillen wurden renoviert. Aber leider oft nicht von den Alteigentümern, denn diese hatten oftmals nicht das Geld für die Sanierung. Nach einem Bummel am Strand entlang oder wahlweise den Boulevard mit tollen kleinen Läden und Cafes ging es per Bus nach Riga, wo ein Altstadtbummel auf dem Programm stand. Sehenswert die gepflegten Häuser aus der Zeit des Jugendstils. Kopfsteinpflaster, riesige Parks und die Sauberkeit fallen sofort ins Auge. Unsere Reiseleiterin erzählt,  dass die Deutschen einst die Zünfte nach Riga brachten. Aber nur für Reiche wie beispielsweise Juweliere. Also gründeten die Rigaer ihre eigenen Zünfte, so für Fleischer und Bäcker. Darum ranken sich so manche heitere Geschichten. Ab 1939 wurden die Deutschen zurück gerufen, etwa 85 Prozent der Menschen sind dem Aufruf gefolgt. Die folgende Geschichte ist bekannt. Nach 1990 sind viele dieser Menschen, oft im hohen Alter, noch einmal zurück gekehrt. Und, so die Reiseleiterin, sie sprachen die Sprache ihrer Kindheit noch. "Wir wünschen uns Frieden für uns und unsere Nachbarn", sagt die Rigaerin zum Abschluss unseres Ausflugs.

 

29. Mai: Es ist Sonntag und das Schiff macht gegen 11.30 Uhr in Helsinki fest. Dicke Wolken, kleine Optis trainieren in der See. Wir fahren mit einem Taxi ins Zentrum, das wir nach einer 15minütigen Fahrt erreichen. Die Sonne lacht und wir bummeln über einen großen Markt mit wunderschönen Handarbeiten und zahlreichen Bio-Produkten. Natürlich kaufen wir ein paar Kleinigkeiten ein, denken auch an die Daheimgebliebenen. Mit dem Euro ist das kein Problem. Wir genießen die Zeit,  laufen durch Straßen, bevor wir am späten Nachmittag per Taxi zum Terminal fahren. Wenige Meter entfernt von der Poesia haben zwei große amerikanische Marineschiffe festgemacht, die deutlich und weithin sichtbar Flagge zeigen. 

 

30./ 31 Mai: Gegen 8 Uhr erreichen wir Stockholm. Wir haben die schwedische Hauptstadt bereits auf vorangegangenen Reisen unter fachkundiger Führung kennen gelernt. Deshalb nutzen wir nun den Shuttle-Bus, der uns für 15,99 Euro in die City und zurück bringt. Als wir gegen Mittag im Zentrum aussteigen, sind die Wolken verflogen, die Sonne scheint. Wir schauen uns wunderschöne Parks und exklusive Geschäfte an. Gekauft haben wir nichts. Wir hätten mit Karte bezahlen müssen, denn der Euro gilt hier nicht. Am späten Nachmittag geht es per Bus zurück.

Wir haben uns im Sushi-Restaurant angemeldet. Eine Zuzahlung war notwenig. Wie überall an Bord fällt auch hier die Freundlichkeit der Mitarbeiter sofort ins Auge. Als bisherige Nicht-Sushi-Esser sind wir erwartungsvoll, ja gespannt. Wir haben die Suppe ebenso wie die Platte mit unterschiedlichsten Variationen verputzt, einen guten - nicht preiswerten Wein außerhalb unseres Getränkepakets  - genossen. Und tatsächlich auch noch das Dessert geschafft.

Wir bleiben über Nacht in Stockholm. Tagsüber erkunden wir das Schiff. Gegen 17 Uhr suchen wir uns einen Platz mit tollem Ausblick und freuen uns auf die Fahrt durch die Welt der Schären bei wunderbaren Wetter. 

 

1. Juni: Wir haben gegen 8 Uhr das wunderschöne Tallinn erreicht, das wir auf einer vorangegangenen Reise flüchtig bei einer Bustour kennengelernt haben. Nun soll es nur die Altstadt sein. Per Bus-Schuttle geht es ins Zentrum. Begrüßt werden wir von einem Blumenmarkt, der keine Wünsche offen lässt. Dann erkunden wir Tallinn, das von einer Stadtmauer umgeben und mit Kopfsteinpflaster gesegnet ist. Wir entdecken viele interessante kleine Geschäfte, von denen wir viele nur über sehr hohe Treppenstufen erreichen können. Die Außenplätze der Gaststätten sind sehr gut besucht. Obwohl die Preise für unser Verständnis enorm sind. Dennoch lassen wir uns in einem Restaurant nieder, probieren ein einheimisches Bier, das dank seiner Gewürze an Weihnachten erinnert. Auch ein paar nach einem angeblich uralten Rezept gebrande Mandeln nehmen wir mit nach Hause .

 

2. Juni: Unser erster und einziger Seetag auf dieser Reise. Es ist der erste und einzige Tag, wo wir keinen Internet-Empfang haben, da wir auf das teure Bord-Paket verzichtet haben. Auf dieser Tour benötigt man es nicht, denn jeweils beim Einlaufen in die Häfen ist man sofort mit dem Web verbunden. Aber wir haben Urlaub, können den einen Tag gern drauf verzichten, Emails zu erhalten. 

3./ 4. Juni. Schon vor 8 Uhr melden sich unsere Handys. Wir haben Kopenhagen erreicht. Schön wäre es gewesen, an der Langelinie Pier unweit des Schlosses Amalienborg und des Stadtteils Nyhavn anzulegen. Doch die dänische Hauptstadt will die großen Kreuzliner aus ihrem Zentrum verbannen, hat eine rege Bautätigkeit gestartet. Und so ist das etliche  Kilometer von der Innenstadt entfernte neue Terminal, das Ocean Quay, entstanden. Dort legen seit 2014 Cruiser und heute eben auch MSC Poesia an. Am Liegeplatz neben uns hat ein AIDA-Schiff festgemacht. Wir fahren mit einem roten Doppelstock-Bus, einem hop on hop off, bis etwa zur kleinen Meerjungfrau. Dort heißt es umsteigen in einen anderen Bus. Rückwärts die gleiche Prozedur. Gut, dass wir uns in Kopenhagen recht gut auskennen. In Höhe des Tivoli steigen wir aus, laufen über den Rathausplatz und durch die Innenstadt. Und wie bei jedem Besuch in der dänischen Hauptstadt staunen wir, dass sich vor dem Geschäft eines teuren Model-Labels auf dem roten Teppich vor dem Eingang eine Schlange Kauflustiger gebildet hat.  Wir haben wieder wunderbares Wetter, das uns den ganzen Tag lang begleitet. Wir bleiben über Nacht in Kopenhagen. Und beschließen am anderen Tag: Heute bleiben wir an Bord. Die Tage zuvor haben uns ein bisschen geschlaucht. An Bord wird allerhand geboten. Unter Anleitung können die Gäste beispielswiese Rock'n Roll, Rumba und Cumbia in der Zebra Bar sowie Country in der Pigalle Lounge lernen. Wir sind erstaunt, wie rege das Interesse daran ist, wie sich 80Jährige neben 18 Jährigen auf der Tanzfläche ausprobieren und viel Spaß haben. Wer Lust hat, kann sich Vorträge über die Zielhäfen anhören, in Geschäften stöbern, Friseur oder den MSC Aurea Spa besuchen oder auch mal ins Kasino gehen. Wer tagsüber mal Ruhe haben möchte, der ist in der Pigalle Lounge auf Deck 7 (Heck) gut aufgehoben. Dort hat man einen wunderbaren Blick nach draußen. Am frühen Nachmittag kann man dann den Klängen einer italienischen Band lauschen, die sich schon mal auf eine lange Nacht einstimmt. 

Natürlich ist jeder Passgier gut beraten, das Tages-Programm, das wir in deutscher Sprache erhalten, zu lesen. Wir erfahren, an welchem Tag eine Zeitumstellung notwendig ist, was im Teatro Carlo Felice auf Deck 6, Bug, am Abend oder gar schon am Nachmittag geboten wird, wo eine Gin- oder Rum-Verkostung stattfindet und welche Garderobe am Abend empfohlen wird. Keine Angst, die Empfehlung lautet meist: leger. Doch ab und an sollte diese den 60er oder 70er Jahren angepasst sein. Oder das Thema Tropen aufgreifen oder gar in Weiß gehalten sein. Absolut kein Muss, eben eine Empfehlung.  Ganz klar: zum Gala-Abend muss man  zum Abendessen nicht im Pullover kommen. Wenn kein kleines Schwarzes oder ein Jacket, eine schicke Bluse, ein tolles Hemd tun es auch. 

Und wer tagsüber an Bord bleibt, kann auch die Poollandschaft nutzen, im Liegestuhl die Sonne und ein Buch genießen, sich einen Drink kommen lassen. Oder er schaut sich um im Selbstbedienungsrestaurant ganz oben, wo es fast immer an einer der Stationen etwas zu Futtern gibt. Wir fanden das Essen generell sehr schmackhaft. Allerdings so echte kulinarische Higlights haben wir vermisst. Wir denken beispielsweise an ausgefallene Meeresfrüchte .... Noch eine Anmerkung: Tee-Trinker haben es auf einem italienischen Schiff nicht ganz einfach. Aus der Erfahrung heraus habe ich mir einen grünen Tee - classic - mit an Bord genommen. Natürlich gab es dort verschiedene Tees, die sich aber eher als Kräuteraufgüsse herausstellten. Pfefferminze etc. Und grüner Tee mit Zitrone, das ist für mich fast unverzeihlich. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten .....

Anders als auf AIDA-Schiffen wird an Bord der MSC Poesia nicht vorwiegend deutsch gesprochen. Die Passagiere, so stellte der Entertainer im Teatro auf Nachfrage fest, ist sehr international. Die Gäste kommen aus Portugal, Spanien, Italien, Belgien, Frankreich. Ich hoffe, ich habe kein Land vergessen. Immer, wenn wir mit unserem Englisch nicht weiter kamen, wurde uns geholfen. An der Rezeptiion gab es mehrere Mitarbeiter, mit denen wir uns in unserer Sprache verständigen konnten. 

5. Juni: Wir sind früh auf den Beinen, wollen das Passieren der Warnemünder Molen und Leuchtfeuer nicht verpassen, wollen beobachten, wenn das Schiff auf der Wendeplatte - heute Wendebecken- dreht und schließlich am Liegeplatz P8 festmacht  Bis 9 Uhr sollen wir die Kabine verlassen. Klar, die nächsten Gäste wollen auch eine saubere Bleibe haben. Die Koffer haben wir bereits am Abend zuvor auf den Gang gestellt. Nun gehen wir letztmals frühstücken, schauen auf Warnemünde herab. Ob uns unsere Nachbarin abholt? 

Kurz vor 10 Uhr verlassen wir das Schiff. Im Terminal schauen wir verdutzt. Unsere Koffer sind nicht da. Überhaupt sehen wir keine Koffer die per Nummer unserer Gruppe zugeteilt sind. Vorm Terminal entdecken wir Gepäck in Gitterwagen. Uns schwant etwas. Tatsächlich sind unsere Koffer mit aufgeladen worden und sollten per Bus mit in Richtung Süden reisen. Wir waren die einzigen Gäste des von uns gewählten Resebüros, die aus Warnemünde kommen. Gerade noch vor dem Verladen in den Bus erwischen wir unsere Habe. Vor dem Terminal werden wir von Demnächst-Reisenden angesprochen, die noch in Vorfreude sind und einige Fragen zum Leben an Bord haben. 

Wir schauen uns um. Nicht unsere Nachbarin, sondern ihr Mann ist gekommen, um uns abzuholen. Zu Hause dann erst sehen wir die Nachricht, dass er vorm Terminal steht und auf uns wartet. Ach ja, wir sind in Warnemünde. Hier - und es ist der einzige Hafen während unserer Reise - gibt es kein Internet-Empfang. Beschämend. susa

 

MSC Poesia, technische Daten: 

  • Schiffsklasse: Musica-Klasse.
  • Baujahr: 2008.
  • Heimathafen: Panama-Stadt.
  • Länge / Größe: 293,80 Meter.
  • Tonnage: 92.627 BRZ.
  • Geschwindigkeit: 23 Knoten.
  • Decks: 16.
  • Passagierzahl: 2.250.

 

 

Auf Ostsee-Tour mit AIDAsol (2021)

Eine Kreuzfahrt unter Corona-Bedingungen? Wie soll das funktionieren? aalglatt-Redakteurin Sabine Schubert war dabei.

 

PCR-Test, Seenotübung und die Reise ging los (1)

Nach all den langen Monaten unter Corona-Stress lockte das Angebot, einfach mal die Seele baumeln und sich ein bisschen verwöhnen zu lassen an Bord des Kreuzfahrtschiffes AIDAsol. Aufsteigen und absteigen in Warnemünde, also vor der Haustür, waren ebenfalls für mich und meinen Mann wichtige Kriterien.

Nach der Buchung gab es dann doch einige Überraschungen: Einchecken nur mit der Vorlage eines negativen Covid-19-Tests, der nicht älter als 24 Stunden sein sollte. Zudem musste man zum Einchecken ein Zeitfenster auswählen, womit großes Gedränge vermieden werden sollte. Und schließlich war schnell klar: Ausflüge mal eben so in Stockholm und Visby, das geht nicht. Nur geführte Landgänge sind erlaubt, das Entfernen von der Truppe verboten. Die bei vielen Passagieren sehr beliebten Büfetts sind derzeit nicht aufgebaut; es wird serviert.

Nachdem all diese Neuigkeiten gedanklich verdaut waren, zogen wir am 18. Juli mit unseren Koffern los und waren wie vereinbart um 13.45 Uhr am Warnemünde Cruise Center.  Das mit unseren Anhängern versehene Gepäck konnten wir im neuen Terminal  abgeben, bevor wir uns mit Mundschutz versehen vor dem älteren Terminal  in eine Schlange einreihten. Freundliche Aida-Mitarbeiterinnen achteten darauf, dass sich die Passagiere vor jenem Eingang positionierten, der ihrem angegebenen Zeitfenster entsprach. Angesichts der etwa 50 Menschen vor uns, ahnten wir eine lange Wartezeit. Doch es ging unglaublich schnell. Test vorzeigen, kontaktloses Fiebermessen und schließlich der PCR-Test. Stäbchen in den Mund und in beide Nasenlöcher. Dann das Vorzeigen des Passes und des Eincheckformulars. Schon ging es nach dem üblichen Durchleuchten auch des Handgepäcks für jene Reisenden, deren Kabinen bereits fertig waren, sofort aufs Schiff. Dann hieß es: In der Kabine 90 Minuten verbleiben und auf das Ergebnis des Tests warten. Die Zeit haben wir zum Kofferauspacken genutzt. Exakt nach 90 Minuten dann die Lautsprecherdurchsage, dass all jene, die vor eineinhalb Stunden getestet worden waren, sich nun an ihrem auf der Bordkarte vermerkten Standort zur Seenotrettungsübung einfinden müssen. Neu: Keine großen Gruppen, sondern kleine Grüppchen von rund 20 Leuten, die das Anlegen der Rettungsweste übten und über die Sicherheitsdinge informiert wurden.

Dann startete der langersehnte Urlaub. Mit dem Lift ging‘s hoch zum Pooldeck, genauer gesagt an die Bar. Mit einem kühlen Getränk in der Hand haben wir den tollen Blick über Warnemünde bei 25 Grad Celsius und Sonnenschein wirklich genossen. Um 18 Uhr hieß es Leinen los.  Langsam löste sich AIDAsol von der Pier. Das Typhon ertönte. Fahrgastschiffe begleiteten den Cruiser. Am Neuen Strom standen viele Menschen und winkten, die Glücklichen an Bord winkten zurück. 

Lesen Sie morgen: Besuch in den Restaurants

In den Restaurants wird serviert (2)

Nach dem Auslaufen der Aidasol aus Warnemünde überlegten wir, in welchem Restaurant wir uns zum Abendessen niederlassen wollten. Zur inklusiven Auswahl standen das Markt Restaurant, das Bella Donna Restaurant und das East-Restaurant, die um 18 bzw. um 18.30 Uhr öffnen und bis 21 Uhr Gäste bewirten. War es während vorangegangener Reisen mit Aida manchmal nicht leicht, abends einen freien Tisch zu bekommen, war das während dieser Reise überhaupt kein Problem. Deutlich spürbar überall an Bord war, dass das Schiff nur zu etwa 60 Prozent ausgelastet worden war.

Wie gewohnt konnte der Gast die kostenfreie Getränke Rot- und Weißwein, Bier vom Fass und Wasser zu sich nehmen. Die Büfetts waren tatsächlich verwaist. Die Menükarte wies drei verschiedene Hauptgerichte aus. Wählen konnte man zwischen Fleisch, Fisch und vegetarisch. Wem das nicht zusagte oder wer mehr essen wollte, für den gab es weitere kleinere Speisen. Ich habe täglich das frisch geschnittene Obst genossen. Hin und wieder auch den Käseteller bestellt. Die Kellner servierten am Platz. Wir hatten uns auf die üppigen Büfetts gefreut. Andere Reiseteilnehmer fanden es hingegen viel entspannender, das Essen serviert zu bekommen.

Zum Frühstück (zwischen 7.30 Uhr 10.30 Uhr) hatte man eine schöne Auswahl. Wurst- und Käseteller, Rührei mit Würstchen, Obstteller, Gemüsesticks, Lachs und anderes mehr. Dazu gereicht wurde ein Brot-/Brötchenkorb, der für ein oder zwei Personen viel zu üppig war. Während der Kaffee am Tisch ausgeschenkt wurde, musste man sich andere Getränke wie Säfte oder Tee an einer Station holen. Als Teetrinker war ich etwas enttäuscht, dass die wunderbare Tee-Station, wo man unter einer großen Auswahl loser, sehr guter Teesorten wählen konnte, geschlossen war. Beutel-Tee war angesagt. Das Mittagessen und das Kaffeetrinken habe ich ausfallen lassen, deshalb dazu kein Kommentar.

Nachdem wir die drei Restaurants getestet hatten, fiel unsere Wahl eindeutig zugunsten des East-Restaurants aus, wo das Personal uns am besten geschult erschien und wo das Ambiente uns gut gefallen hat, zumal man sich auch im Freien niederlassen konnte. Übrigens war vor den Zugängen zu den Restaurants stets ein Mitarbeiter positioniert, der darauf achtete, dass jeder Gast seine Hände desinfizierte und einen Mundschutz trug.

Lesen Sie morgen:  Unterwegs in Spezialitäten- und A-la-carte-Restaurants

Ein gelungener Abend im Buffalo Steak House (3)

An einem Abend hat uns unser Weg in das Best-Burger Spezialitäten-Restaurant geführt, wo man die Getränke bezahlen muss. Der Burger war wunderbar. Und für mich viel zu groß. Unser Tischnachbar hatte da viel mehr Appetit.  Er verputzte Chicken Wings, anschließend einen Burger und danach ein Dessert. In einer unglaublichen Geschwindigkeit. In diesem Restaurant machten wir auch die Bekanntschaft von Wayne Morris, der abends mit seiner Show das Schiff rockte. Über Unterhaltung an Bord an anderer Stelle mehr.

Das Buffalo Steak House, wo man für Getränke und Speisen zuzahlt, besuchten wir an einem anderen Abend. Da wir nicht reserviert hatten, gab es natürlich keinen Fenster- oder Logenplatz, sondern jenen gleich hinter der Tür. Das Essen war dennoch super. Vor allem die Vorspeise mit sehr gut gewürzten Garnelen ist mir in Erinnerung geblieben. Eine gute Flasche von einem von uns verehrten Winzer aus Franken zu einem moderaten Preis rundete das Festessen ab. Das Personal möchte ich ausdrücklich loben.

Wenn schon, denn schon: Das Gourmet-Restaurant Rossini hatten wir vorab gebucht. Dort werden zu ebenfalls moderaten Zuzahl-Preisen abends eine 3-Gang- und ein 6-Gang-Menü angeboten. An dem von uns gewählten Abend stand als Hauptgericht Fleisch auf der Karte. Da wir zu früh da waren, kamen wir mit einer Mitarbeiterin des Restaurants ins Gespräch. Auf meine Frage, auf welchen Fisch ich mich freuen dürfe, erfuhr ich: Heute gibt es Fleisch. Mein enttäuschtes Gesicht mag sie bewogen haben, mit der Chefin zu sprechen. Und ich durfte mich danach auf meinen Lachs freuen.

An einem schön gedeckten Tisch am Fenster genossen wir diesen Abend wirklich in vollen Zügen. Das Essen war perfekt zubereitet, das Personal nett und hilfsbereit. Und als die Sonne dann noch an diesem Bilderbuch-Sommertag unweit von Visby im Meer versank: Herz, was willst Du mehr? Lesen Sie morgen: Der Kapitän, Kultur und Shopping

Kunst- Auktionen im Theatrium (4)

Wie gewohnt, ist die Stimme des Kapitäns auch nach der Begrüßung  mehrfach am Tag über Lautsprecher zu hören. Irgendwie finde ich es beruhigend, zu wissen, dass da kein Roboter, kein Irgendwer, sondern ein Mensch auf der Brücke steht, der für die Sicherheit der Passagiere verantwortlich ist. Kapitän Jörg Miklitza stellte sich im Theatrium auch den Fragen der Reisenden. Dabei ging es um Seekrankheit, um Schiffsstabilisatoren, um das Auswerfen des Ankers und um den Einsatz des Typhons. Aber auch um Privates. Der gebürtige Sachse erzählte ohne viel Schnickschnack von seiner Sehnsucht nach dem Meer; Grundwehrdienst, Marine, Offizierslaufbahn,  berichtet von seiner Fahrt auf der "Gorch Fock", von Einsätzen auf Fregatten und Minenjägern. Schließlich der Wechsel zu AIDA, wo er 2012 Kapitän wurde. Urlaub mit seiner Familie macht er nicht am Meer, sondern – ganzes Kontrastprogramm -  in den Bergen.

Die kulturellen Angebote auf der AIDAsol haben wir bei weitem nicht genutzt. Verpasst haben wir allerdings keine der Versteigerungen, die im Theatrium durchgeführt worden sind. Denn dabei lernt man nicht nur verschiedene Künstler und eine Auswahl deren Werke kennen, sondern erfährt immer wieder Neues aus dem Bereich Malerei und Kunst. Mit dabei waren wir bei der Veranstaltung „Wer wird Millionär“, die vielen Passagieren wohl gefallen, uns gelangweilt hat. Interessant für uns, dass mit Ausfall des Internets der Einsatz der Technik nicht möglich war, der Moderator dennoch ruck, zuck reagierte und seine Show auch mit herkömmlichen Mitteln über die Bühne brachte.  Hin und weg waren wir von den Auftritten des Briten Wayne Morris, der sehr gut Deutsch spricht und sich hat einbürgern lassen, wie er uns erzählte. Er präsentierte seine Classsic Rock’n Pop-Show, seine Gitarre und seine Ukelele, brachte Songs von den Beatles, Johnny Cash, Elvis, Gary Moore und anderen auf seine Art und mit seiner besonderen Stimme zu Gehör. Ein wenig störend empfanden wir - pardon liebe Eltern – dass zahlreiche etwa Vier- bis Siebenjährige um 21 Uhr wie kleine Teufelchen umherhüpften und kleine Machtspielchen untereinander ausgetragen haben.

Natürlich haben wir uns auch in den an Bord befindlichen Shops umgeschaut, wo es Kosmetik, Schmuck, Uhren, Bekleidung, Aida-Souvenirs und viele andere Dinge – teils mit erheblichen Rabatten - zu kaufen gab. Ein Besuch im Body & Soul Spa-Bereich, wo ich mir eine Maniküre gönnte, war sehr entspannend und angenehm.

Die meiste Zeit haben wir auf unserem Balkon oder an einer Bar auf dem Achterdeck verbracht, wo wir uns die leichte Brise um die Nase wehen und von der Sonne verwöhnen haben lassen, in unseren Büchern geschmökert oder auch mal einen Drink genossen haben. Die angesichts des Sommerwetters vielgenutzten Pools haben wir außen vorgelassen.

Lesen Sie morgen: Ausflug nach Stockholm und traumhafte Sonnenuntergänge

Abstecher zu  Nord Stream 2 und zu Rügens Kreidefelsen (Schluss)

Nachdem wir am Sonntag Warnemünde verlassen und am Montag einen Seetag bei tollem Wetter genossen haben, stand am Dienstag Stockholm auf dem Programm. Zunächst ging es per Bus durch die schwedische Hauptstadt, die wir schon bei einem Besuch vor zwei Jahren etwas kennen gelernt haben. Damals hatten wir einen trüben, regnerischen Tag erwischt. Ganz anders nun präsentiert sich Stockholm bei bestem Sommerwetter. Über holpriges Kopfsteinpflaster marschierte die Stadtführerin mit uns durch die Straßen, immer darauf bedacht, keinen aus der Truppe zu verlieren. Der Weg führte auch zum königlichen Schloss, wo täglich in der Mittagszeit eine Wachablösung stattfindet. Da wir uns von der Gruppe nicht entfernen durften, war leider ein Besuch der Galerien oder Geschäfte oder gar Kneipen nicht möglich. Nicht mal ein längerer Blick in die Schaufenster war uns vergönnt. Wir mussten Schritt halten, was auf dem Kopfsteinpflaster nicht ganz einfach war. Nach etwa dreieinhalb Stunden brachte uns der Bus zurück zum Schiff. Die AIDAsol blieb über Nacht in Stockholm. Auch wenn wir nicht zu einem nächtlichen Bummel aufbrechen konnten, war dieses Bleiben für viele Passagiere sehr wichtig. Denn am Mittwochvormittag ging es – wieder bei Sonnenschein – durch die Schären. Einfach wunderbar und sehenswert diese Inselwelt. Am Donnerstag erreichte das Schiffl Gotland. Ein Besuch des Städtchens Visby, das wir schon kennen, war in Gruppen möglich. Wir blieben an Bord und genossen einen weiteren Sommertag. Es folgte ein Tag auf See, bevor wir am Sonnabend frühmorgens wieder zurück in Warnemünde waren.

Nun mag mancher sagen, die Reise sei langweilig gewesen. War sie definitiv nicht. Denn die Crew um Kapitän Jörg Miklitza hat sich alle Mühe gegeben, die Passagiere zu unterhalten. Erstaunlich, was man auf der Ostsee alles entdecken kann. Natürlich sind da viele Schiffe aus aller Herren Länder unterwegs. Aber auch ein Abstecher zur Baustelle der Gaspipeline Nord Stream 2, die bald in Betrieb gehen dürfte und ein Ort der großen Weltpolitik ist, war drin. Viele Fotoapparate und Handys wurden gezückt, Fotos geschossen.  Auf dem Weg nach Warnemünde ging es vorbei an der Küste von Bornholm und schließlich kurz vor dem Sonnenuntergang vorbei an den Kreidefelsen von Rügen. Noch nie haben wir diese aus solch einer Perspektive gesehen. Wahnsinn. Wunderbar.

 

 

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